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Traininigslager in der Toskana

Es ist früh. Sehr früh. Auf der digitalen Armbanduhr steht noch eine „6“ vorne. Obwohl heute Ruhetag ist, bin ich schon wieder so früh wach. Wahrscheinlich leide ich nicht nur an Alzheimer, sondern auch schon an seniler Bettflucht. Ich werde halt doch alt. Vielleicht sollte ich mich langsam damit abfinden. 

Es ist der letzte Tag in der Toskana. Abreisetag. Arri-wi-dertschi – oder wie man hier sagt. Jeden morgen geht die Sonne hier pünktlich zwischen 6:05 Uhr und 6:15 Uhr auf. Ein Bild, das Picasso nicht besser hätte malen können, wenn die Sonne am Horizont über den Bergen empor steigt und sekündlich einen Fleck mehr dieser traumhaft grünen Kulisse mit goldenem Schimmer versieht. Morgens ist es meistens noch Windstill. Das ändert sich meistens gegen Mittag. Mal mehr mal weniger. Zwar kein Fuerteventura Wind, aber dem sehr Nahe kommend teilweise. Und nervig sowieso.

Der beheizte 50m-Pool ist so früh noch mit Planen zugedeckt. Um 7 Uhr ist ihm dann die „Decke“ gefühlvoll entzogen. Die Schwimmer schon bereit stehend. Viele Schwimm-Gruppen sind hier, was ob der grandiosen Bedingungen mehr als verständlich ist. Mir gefällt der Pool besser, als der – um mal einen bekannten Vergleich zu heranzuziehen – im Playitas. Während meines Kurz-Trips ins Poggio all´Agnello habe ich den dennoch mehr zum lockeren Schwimmen genutzt. Für das Wassergefühl.

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Schwerpunkt in Populonia – so heißt der Ort hier – war Radkilometer zu sammeln. Nachdem mein Rad ja erst zwei Tage später ankam, war das natürlich ohnehin nicht mehr so in dem Maß möglich wie vorgenommen.  Folgendes habe ich in 6 Tagen vorzuweisen:

  • 468,4km
  • 4560hm
  • 20min FTP-Test: 372 Watt auf 80kg Körpergewicht

Noch nie bin ich meinen sehr empfindlichen (süßen ;-)) Hintern an drei aufeinanderfolgenden Tagen meinen Sattel mehr als 100km täglich zugemutet. Aber er ist noch dran und das Polster im Zug gerade nach Pisa schööööööööön weich. Dei Region hier ist grandios zum Radfahren. Besser als Fuerteventura. Hier bekommt man landschaftlich noch was geboten. Kurvenreiche Strecken, aber anspruchsvoll. Auch, weil die Straßen hier nicht so breit sind. Dafür ist, bis auf einige Passagen fast kein Auto unterwegs. Zumindest um die Zeit jetzt Ende April/ Anfang Mai. Nicht selten habe ich auf einer 4h-Runde keine 30 Autos gesehen. Manchmal sogar eine Stunde niemanden, so dass es mir schon unheimlich vorkam. Das Profil hier ist wellig bis bergig was echt Spaß macht. Und es rollt echt gut, obwohl die Straßen-Qualität auf einer Skala 1-10 eher so bei 6-7 liegt. Da wird das eh schon schmerzende Hinterteil schon öfter bestraft, als ihm lieb ist. Trotzdem: Allen in allem ein TOP-SPOT zum Radfahren. Auch Laufen kann man gut rund um die Anlage. Besser – um es wieder zu vergleichen – im Playitas, wie ich finde. Hauptsächlich Trails. Also, ein Lauf-Schwerpunkt würde ich hier nicht setzen, aber für Koppel-Einheiten oder mittel-lange Einheiten reicht es allemal. 

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Die Region hier unten in der Toskana rund um Piombino ist auch perfekt gelegen für Kurzausflüge. Einen Tag bin ich mit der Fähre nach Elba übergesetzt. Einfach mit dem Rad 10km zur Fähre. Eine Stunde Sonnenbaden an Deck mit Blick. Und schon ist man da. Und Elba zum Rad fahren ist purer Sex. Wer auf Höhenmeter steht. Einfach Wahnsinn. Ich bin um 2/3 der Insel gefahren. Hauptsächlich um den nördlichen Teil. Man fährt direkt am Meer entlang mit Blick auf Korsika. Größtenteils gute Straßen. Ein paar steile Anstiege, aber meistens schön wellig. Spaßfaktor hoch Zehn. Nächstes Mal fahre ich dann um die ganze Insel. Dürften so knapp 135km sein. Kostenpunkt für die Fähre: 40 Euro hin und zurück. Elba war eins meiner bisherigen Highlights auf dem Rad. 

Wenn mich jetzt jemand fragt, ob ich das Resort und das Gebiet für ein Trainingslager empfehlen würde, dem würde ich ganz klar „JA“ sagen. Alles hier hat viel Charme. Und landschaftlich ist es grandios. Hinzukommt, dass es preislich günstiger ist, als viele andere Trainingslager. Das Resort selbst bietet Halb-Pension an und die Apartments sind mit Küche ausgestattet, was auch gut so ist. Denn das Essen ist – für meine Begriffe – stark ausbaufähig. Für mich „picky one“ und Veganer kann man sich die Halb-Pension direkt sparen und alles selbst machen. Das Personal ist aber super nett und die Anlage sehr schön. Die Zimmer sind jetzt nicht im modern-style Design, aber landestypisch völlig in Ordnung und geräumig. 

Fakt ist: ICH KOMME WIEDER. (dann hoffentlich direkt mit Radkoffer Eurowinds)

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2 Comments

  • Uschi Oestreich
    19. Mai 2016 at 9:48

    Hallo René,

    vielen Dank für Deinen informativen Blog-Post. Vom Poggio all´Agnello habe ich auch schon gehört, aber bislang wenig Informationen dazu gefunden. Hast Du noch einen Link und/oder Informationen bezüglich optimaler Reisezeit und anfallender Kosten?

    Einstweilen vielen Dank, happy travelling und
    herzliche Grüße
    Uschi

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