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Trainingslager in der Toskana |Ausgebremst von der Airline

Wenn ich mit 34 Jahren auf 43 geschätzt werden sollte, dann hat das einen Grund: das ständig frühe Aufstehen. 4:35 Uhr klingelt der Wecker. Unterirdisch. Nachdem ich eh schon – wie so oft bei ganz frühen Flügen – gefühlt alle 74 Sekunden wach war. Aber, nein. Der „Domke“ musst ja wieder einen Flug um 6:35 Uhr nehmen. Zu meiner Entschuldigung: Flüge nach Pisa von Köln aus sind auch spärlich gesät. Also, kurz leise geheult, im Halbschlaf ins Bad getigert. Auf eins kann ich mich immer verlassen. Spätestens die elektrische Zahnbürste sorgt für den „Hallo-Wach-Effekt“

Schwer bepackt – wie immer – verlasse ich das Haus. Koffer. Rucksack, meine neue Errungenschaft die DJI-Drone und natürlich ganz wichtig mein Radkoffer. Eine Aufzählung, die vier Stunden später nur noch Makulatur sein wird. Als letzter Depp stehe ich an der Gepäckausgabe. Überall gähnende Leere. So leer wie das Gehirn der Eurowings-Mitarbeiter am Köln-Bonner Flughafen. Denn die haben kurzerhand mein wertvollstes Gut, dass ich besitze, meine Radkoffer mitsamt allem was ich an wertvollem Gut besitze – ich wiederhole mich nur zu gern genervt – bloßerhand vergessen. Ich fass es nicht. Wenn ich doch wüsste, was „Skandalös“ und „Llebliga“ auf italienisch heißt, ich hätte mit voller Inbrunst ein neues Wort für den Spaghetti-Duden so unförmlich wie nie vorher gesichtet heraus gebrüllt.

Nie wieder Eurowings

Als ich versuche, es mit der Gelassenheit von Franzosen nach drei Flaschen Rotwein zu sehen, bricht mein italienischer Vulkan, von dem ich bisher noch gar nichts wusste, so stark aus, dass der schiefe Turm von Pisa von der Glut in Sekundenschnelle verspeist wird. Meinen Koffer soll jemand anderes mitgenommen haben, sagt ein Italiener, dessen Ahnungslosigkeit ich mit seiner Warnweste schon aus Rom gesehen hätte. Kurz versuche ich mich mit Temperament und versuche zu erklären – auf englisch versteht sich – wie die einfach so nen Koffer mitten irgendwohin stellen könnten. Einen Koffer mit einem Wert von fast 10.000 Euro. Die großen Augen, Das Stirnrunzeln und Schulterzucken beider Flughafenmitarbeiter in dieser geballten Konzentration zusammen machen die mehr als triste Situation zu einer Ausweglosen. Die leere, kalte Gepäckhalle rundet dieses Portfolio noch ab, würde jetzt in einer Bewerbung ganz unten stehen. FUCK IT!

Was tun, wenn der Koffer weg ist?

Die Vorstellung, dass jemand mit meinem schönen Koffer durch die Toskana rollte, um am nächsten Tag seinen fetten Hintern auf meinen Carbon-Sattel zu schwingen sorgen bei mir zu einer Muskelkontraktion wie es noch nicht mal EMS schaffen könnte. Als ich mich innerlich in Gedanken schon bald an einer Bar sitzen sehe die vierte Flasche Rotwein leerend, denke ich, frag doch noch mal nach bei den Italo-Girlies in den Mitte 50ern mit ihren Horn-Brillen im Haar. 

„Nein. Nein. Das Rad steht noch in Köln.“ 

Was mich normalerweise schon an sich zum Ausbruch eines Vulkans verleitet hätte, lässt mich plötzlich fast in Jubelarien verfallen. „Mama Mia“ lass uns Gruppen-Kuscheln. Nach nem Zettel-Wahnsinn-Marathon, ist mein Puls wieder unter 100. Das Rad soll dann morgen kommen. Aber es ist noch da. Sagt Frau zumindest. Immerhin.

Und jetzt geh ich erstmal Lire tauschen

 

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