Sport

SAGAN IST UNSCHULDIG | EINE HOMMAGE AN GREIPEL

Ich will das jetzt mal schnell runterschreiben hier, weil mich in der ganzen Diskussion ein paar Dinge extrem aufregen, ich aber auf der anderen Seite auch total begeistert bin. First things first: Stürze sind immer scheisse, ‚Aua‘ und tun selbst schon beim Hingucken weh! Aber in diesem Fall ist Peter Sagan unschuldig. Viele haben das mittlerweile gerafft und einen klaren Blick. Rolf Aldag leider nicht. Genauso wie viele andere verklärte Besserwisser, die durch die Stadt gurken und keine Ahnung haben.

Ich fange da gerne bei mir selbst an. Gestern postete ein Bekannter aus Polen, dessen Meinung ich sehr schätze auf Instagram er sei gegen die Tour und für Sagan. Daraufhin fragte ich ihn, ob das sein ernst sei? Er schilderte mir seine Eindrücke, woraufhin ich mir die Videos in der Dauerschleife noch mal anschaute. Ziemlich schnell musste ich meine ursprüngliche Meinung revidieren. Denn beim genauen Hinschauen wird klar, dass Cavendish selbst der Auslöser ist für den Sturz und Sagan mit dem linken Knie und dem rechten Ellenbogen versucht das Rad unter Kontrolle zu halten, weil ihn der da schon Strauchelnde Cavendish nämlich zuvor schon mit dem Kopf auf dem Rücken getroffen hatte. Der Auslöser war also gar nicht Sagans Ellenbogen!

Siehe dazu UNBEDINGT dieses Video.

Auch ich war zunächst beim ersten Hinschauen geschockt und habe genauso geurteilt wie viele. Wie eben auch Andre Greipel im Interview auf der Rolle direkt nach der Zieleinfahrt.

„Nur weil er das Weltmeister-Trikot anhat, kann er sich nicht alles erlauben.“ (Andre Greipel, Lotto-Soudal)

Der deutsche Top-Sprinter schien richtig angefressen zu dem Zeitpunkt. Jetzt kommen wir aber zu dem was mich wirklich begeistert an dieser ganzen Debatte. Es zeigt sich nämlich wer wirkliche Größe hat, ein fairer Sportsmann ist und auch Fehler eingestehen kann. Denn auch Greipel musste beim erneuten (oder vllt auch erstmaligen) Betrachten der Bilder feststellen, dass er mit seinem vorschnellen Urteil falsch lag. Wie wohl die Meisten von uns.

„Manchmal sollte ich mir die Bilder anschauen, bevor ich etwas sage.“ (Andre Greipel, Lotto-Soudal)

Sein Tweet mit einer Entschuldigung in Richtung Sagan ist großer Sport. Danke, Andre! Ich selbst war gestern erstaunt über die Menge an Kommentaren auf meiner Facebookseite zu dem Thema. Und viele haben glaube ich schnell ihre Meinung Contra-Sagan geändert. Denn das ist das einzig Richtige, wenn man sich mal OBJEKTIV die Bilder anschaut. Klar, dass das Rolf Aldag nicht so wirklich kann. Er ist sportlicher Leiter des Teams von Mark Cavendish, für den jetzt mit einem Bruch des Schulterblatts die Tour gelaufen ist. Schwer da in seinen Emotionen objektiv zu bleiben. Verstehe ich.

Anbei sein auf seiner Facebook-Seite veröffentlichter Text:

..Just to get a few things straight here.

The Web goes wild and I understand that emotions are a big part of this and of the Sport. But let´s try to stay reasonable. It isn´t right to call others „Arschloch“ or even worse, for having different opinions. For sure I am biased here and admit that. I also respect if others see things completely different. That is everybody’s right.

About the incident:
Crashes happen and that is part of cycling. Who´s fault was that today? Peter? Cav? Both? Probably a fair share from all involved, and that includes more than Mark and Peter. But what I just can´t understand is Peters elbow out there. Peter is well deserved World Champion and has to be a role model for the sport. Do we want to see these accidents more often as it becomes normal behavior, or do we want to see it in the Junior or Kids races? I don’t think so, but how do we explain that this isn´t the way to do it if the best riders in the world do it? That’s why I think that there had to be consequences today.
To be clear: I read that I “required” Peters exclusion towards the Jury. The jury is independent and decides, we respect that. Like it or not. As said earlier: Do I have an opinion? Yes. Am I shy to tell it? No. and so I did. Does that influence the outcome of this case? No.

By the way: we can divide the World now into Marl fans and Peter haters or Mark haters and Peter fans, but that’s not what sport is about. I am sure that Peter and Mark will work this out in between each other and don’t need us to move on.
This is a loss, loss, loss situation for all. It is bad for Peter, bad for Mark, bad for the Tour and for cycling.

GREIPEL ZEIGT WAHREN SPORTSGEIST

Aber hier zeigt sich eben wahrer Sportsgeist und eben der Mut auch mal offen Fehler einzugestehen. Denn wie man hören musste, war es Aldag, der offen den Tour-Ausschluss von Sagan forderte. Jeder macht Fehler. Aber sich diese auch mal einzugestehen, das ist es was für mich Fairplay ausmacht. Und das ist der Unterschied zwischen Aldag und Greipel.

In der ganzen Diskussion habe ich im übrigen kein einziges Statement von Cavendish in die Richtung gelesen. Oder hat der sich über Sagan beschwert? Nein! Und warum? Weil es nicht richtig ist und weil er auch selbst weiß, dass die Route da außen die Riskanteste aller war. Und wo wir schon beim Thema sind. Den Heiligenschein hat Cavendish in seiner Karriere auch selten genug in ähnlichen Situationen über seinem Kopf getragen. Aber das ist Vergangenheit und gehört hier nicht wirklich hin.

Mal davon abgesehen, dass das was Arnaud Démare da macht RICHTIG GEFÄHRLICH ist. Dass es da nicht zu einem Sturz kommt, ist reine Glückssache. Er fällt die Wellen, die man nicht fahren darf und wird nicht bestraft. Das sieht man sehr gut in diesem Video hier. Das aber nur ganz Nebenbei.

STRAFE FÜR PETER SAGAN VIEL ZU HART

Die Strafe – also der Tour-Ausschluss – für Peter Sagan ist meiner Meinung viel zu hart! Ich finde sogar, dass jegliche Strafe nicht gerechtfertigt ist. Deswegen auch der Titel.

Mir ist in dieser hitzigen Diskussion eines viel wichtiger: Menschlichkeit. 

Ich wiederhole mich ungern, aber auch ich selbst habe zu Beginn falsch geurteilt, aber manchmal täuscht man sich. Und dann zuzugegben, dass man einen Fehler gemacht oder ein voreiliges Urteil gefällt hat, das ist etwas ganz wunderbares und freut mich zu sehen. Weil da zeigen sich die wahren Persönlichkeiten. Bisschen romantisch, aber so sehe ich das.

Insofern ist das weniger ein Draufhauen auf Aldag und allen, die es (fälscherlichweise) genauso sehen. Sondern vielmehr eine Hommage an Andre Greipel oder diejenigen, die sich in unserer heutigen Welt, die auf Perfektionismus und Karriere ausgelegt ist, auch mal Fehler OFFEN eingestehen können. Chapeaux!

Sprint ist ein harter Kampf. Ein schmaler Grat zwischen Sieg oder Sturz.

Der Leidtragende (bleibt es bei dem Urteil) nur die Tour de France – einmal mehr!

 

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3 Comments

  • Gabor
    5. Juli 2017 at 11:06

    Moin, eine Sache die Ich gerne noch in Bezug auf Demare erwähnen möchte: Der französische Meister gewinnt eine Sprint-Etappe bei der Tour, wen wundert es da nicht das dabei vergessen wird auch mal genauer hinzusehen wie er gefahren ist 😉

  • Tom
    5. Juli 2017 at 11:27

    Hi Rene
    mir ging es genau gleich beim ersten anschauen. Auch ich musste meine Meinung stark ändern. Wie du schreibst ist Sprint ein schmaler Grat zwischen Sieg und Niederlage.
    Schliesslich ist der Sport und die Tour die Leidtragenden nebst den direkt Beteiligten.
    Kann dieses Urteil überhaupt noch gedreht werden?
    Gruss Tom

  • Michael Schmitt
    5. Juli 2017 at 13:28

    Genau so ging es mir auch. Ich finde es außerdem lächerlich, dass ein Es-Doper wie Rolf Aldag sich auf die Funktion des Weltmeister als „role model“ beruft. In meinen Augen sollten Leute wie Aldag komplett aus dem Radsport ausgeschlossen werden. Einen Patrik Sinkewitz hat der Radsport verstoßen, ein Rolf Aldag darf weiter moralisieren. Schon sehr merkwürdig.

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