Reisen

Meine City-Tour | Die Metropole Mexico City

Als ich am Frankfurter Airport ankomme, habe ich ein Deja-vu. Gerade mal ein Monat ist es her, dass ich von hier nach Buenos Aires geflogen bin. Dieses Mal dauert der Flug nur 12 Stunden und keine 13, die Landessprache ist die Gleiche, das Ziel ein Anderes: Mexico City.

Ein Ziel, dass auf dass ich jetzt privat nicht so schnell gekommen wäre, aber geil. Mit 25 Millionen Einwohnern glaube ich sogar, die größte Metropole der Welt. Die Landung auf 2250m Höhe ist dieses Mal so hart und unsensibel wie das der Schlag ins Gesicht nach meiner letzten ernüchternden Leistungsdiagnostik. Dann doch lieber ein unsanftes „Hola“ auf mexikanisch! Die Höhenluft fällt mir Anfangs gar nicht so auf. Genauso wenig wie mir bewusst war, dass der Zeitunterschied mal geschmeidige 7 Stunden sind. Bevor sich die Uhr meiner Garmin von allein umgestellt hat, bin ich schon eingeschlafen. Buenos Loches a todos!

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Nach einer Nachtruhe, die gerade mal länger ist als ein Quicky, wenn überhaupt, finde ich mich um 5:00 Uhr auf dem Rad-Ergometer wieder. Training macht auch vor schlafwandelnden Jetlag-Kranken ohne Form nicht halt. Auch nicht die Höhenluft. Ich pfeife aus dem letzten Loch. Dabei sitze ich noch nicht mal auf dem Sattel. In dieser Höhe ist selbst das erklimmen des Sattels nicht mehr Grundlagenausdauer. Glücklicherweise bin ich nicht allein. Andere Formel E-Mitarbeiter und Team-Mitglieder leiden an Bettflucht. Für alle, die es immer noch nicht wissen: Ich arbeite und verdiene Geld, obwohl ich Wohnungslos bin und Globetrotter. Das hilft hier in Mexico nicht unter der Brücke schlafen zu müssen. Was nebenbei bemerkt so unverantwortlich ist, wie Attila Hildmann bei Let’s Dance mitmachen zu lassen. Denn so groß Mexico City ist, so gefährlich ist es hier auch.

Pünktlich zur Ankunft herrscht in Mexico so schlechtes Wetter wie Jahre nicht mehr. Im Süden ist Frau Holle zum Leben erwacht und zwar richtig sauer.

In der Hauptstadt sind die Berge drumherum mit Schnee bedeckt. Es regent. Wahrscheinlich liegt es an den ganzen Briten, die für die Formel E arbeiten. Man wird ja mal spekulieren dürfen. Schöner wird davon aber auch nicht. Am nächsten Tag kommt mein Kameramann an. Zusammen machen wir einen auf Sightseeing. Oder sagen wir besser so: Was man hier so nennen kann. Denn wenn selbst die Mexikaner in viele Bereiche der Stadt nicht gehen und jeder einem sagt, dass es gefährlich ist, spätestens dann sollte man der Reisewarnung der Deutschen Botschaft glauben schenken.

Wir fahren mit einem Sitio – was so viel heißt wie, mit dem Ding bist du sicher unterwegs und wirst nicht eine dunkle Ecke der Stadt bugsiert und ausgeraubt – zur Kathedrale. Der Platz davor ist so groß wie sechs Fußballfelder. Aber auch so leer wie das Stadion des VfL Wolfsburg in der Champions League. Die Polizisten zählen nicht, die sind nämlich mehr als reichlich vorhanden. Was uns zumindest das Gefühl von Sicherheit gibt und den Profis das Gefühl nicht zu trainieren. Die Flagge in der Mitte des Platzes zeigt ganz unverblümt den Nationalstolz und ist so groß, dass sie als eigenständige Attraktion der Stadt anerkannt werden könne.

Wir knipsen Fotos aus allen Lagen. Beobachtet fühlen wir uns beim 20 minütigen Fotoshootings nicht. Ist ja fast keiner da. Wie gesagt, Polizei zählt nicht.

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DSC01254 (1)Auch, wenn der Bewegungsradius so groß ist, wie der von Stefan Effenberg zu aktiven Zeiten, die wichtigsten Attraktionen sind alle in Sichtweite. Für 65 Pesos (umgerechnet ca. 3 Euro) passieren wir die Pforte zum “Templo Mayor“. Beeindruckend wie die Mexikaner einfach mal über die alten Temple drüber gebaut haben, bis ihnen aufgefallen ist, dass die Dinger ja was Besonderes sind und sie zumindest so weit ausgegraben haben, dass man sie von oben in Ansätzen sehen kann. Ah ja, und damit Geld verdienen kann. Der Rest ist dann auf den Tafeln erklärt. Wer glaubt, wir hätten uns durch die Touristen-Massen drängeln müssen, der irrt. Wir sind neben einer Handvoll weiterer Schaulustiger, die Einzigen. Bevor die Jetlag-Kranken einschlafen, sitzen wir schon wieder im Taxi ins Hotel. Das Sightseeing-Gewissen ist beruhigt. Zumindest in Ansätzen. Aber da wir ja zum Arbeiten hier sind, entschließe ich mich eher weniger Rücksicht auf dieses zu nehmen. Gestärkt vom Mittagsschlaf, absolvieren wir die Interviews am Nachmittag mit dem Boss von Renault e.dams und dem Fahrer Nicolas Prost mit mexikanischer Leichtigkeit.

 

Nicolas Prost – der smarte Franzose

Die Rückfahrt entlockt dem Sohn des 5-fachen Formel 1- Siegers Alain Prost viele interessante Infos. Weil wir im gleichen Hotel hausen, nimmt er uns im für ihn abgestellten GMC – auch amerikanischer Kleinbus genannt – mit zurück. Und da, der Traffic in CDMX so krass ist, dass man für 6 Kilometer locker 40 Minuten braucht, haben wir genug Zeit zu plaudern. Und siehe da: Nicolas, der ja in der Schweiz wohnt, macht auch Triathlon. Momentan hat er keine Zeit mehr, aber er hat, wenn auch eher Kurzdistanz. Dafür aber mit nach wie vor 12.000km auf dem Rad pro Jahr. Da ziehe ich meinen Sombrero. Bei den Schweizer Zeitfahrmeisterschaften war „Nico“ sogar mal nur wenige Minuten langsamer als Cancellara. Gut, dass er das erwähnt, bevor ich vorgeschlagen hätte mal ne Runde zusammen zu radeln. Sein Vater, so sagt er, fährt wohl noch deutlich mehr. So schüchtern Nicolas Prost immer wirkt, ist er gar nicht. Ein wirklich super Typ. Menschlich. Bodenständig. Und ein guter Rennfahrer. Er wird das Rennen auf dem dritten Platz beenden.

 

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Radfahren ist nicht (sicherheitshalber)

Mein nagelneuer Radkoffer von B&W steht unterdessen immer noch unangetastet in meinem Hotelzimmer. Okay, ich gebe zu, weil ich den Anblick meines neuen Gefährts vermisst habe, öffnete ich ihn bereits. Auch das Aeroad will schließlich Höhenluft schnuppern. Mexikanische Straßen und Anstiege wird es dennoch nicht sehen. Zu gefährlich. Mein noch namenloses Gefährt zeigt Verständnis. Schließlich möchte es nicht schon in der Probezeit unter Gewalteinfluss den Besitzer wechseln und mich in der Pampa nackt alleine zurücklassen meiner Rapha-Klamotten beraubt. Zumindest ist das so ungefähr die Geschichte, die sich nach all den Warnungen in meinem Kopf abspielt.

Also, werden die Umfänge auf Rad-Ergometer im Hotel abgestrampelt. Meistens in der Dunkelheit morgens vor dem Frühstück. Nüchtern. Der Fettverbrennung etwas nachhelfen.

Auch, wenn meine Schwelle sicherlich noch weit von meinen 330-340Watt weg ist. Die Tacos scheinen mir gut zu bekommen. Es gibt Tage, an denen ich sogar wieder einen Six-pack erkennen kann…, wenn das Licht im Bad gut steht! ?

 

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Der letzte Tag ist angebrochen. Renntag. Race-Day. Fünf Tage musste vergehen, um den Jetlag zu bekämpfen. Die Sonne steigt hinter dem Vulkan „Popcatépetl“ hervor. Die unzähligen Häuser im Schatten sind von Smog überzogen. Liebhaber würden es Nebel nennen. Über mir macht sich stattdessen Melancholie breit. Zeit alles mal Revue passieren zu lassen. Die Zeit rast und rast. Das wird einem in solchen Momenten bewusst. Mexico City. Ich war hier hier. Ein weiterer Einblick in einer weitere Kultur, in die Seele verdammt netter, zuvorkommender, stolzer Mexikaner, die im Vergleich zu den Argentiniern noch einen Vorteil haben: Sie sprechen und verstehen fast alle Englisch, was wohl Englisch als zweiter Fremdsprache zuzuschreiben ist. Auch wenn es nur kurz war, auch ich habe wieder etwas für mich gelernt: So langsam das Ganze zu genießen!

Hasta luego Mexico, off to Boulder!

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