Sport

Mein Rad und ich | Ein Comeback auf unbestimmte Zeit.

Als ich rauskomme, fängt es an zu regnen. Wirklich genau in diesem Augenblick. Aber es macht mir nichts. Es gab Zeiten, da wäre ich umgedreht. Nicht so heute morgen. 

Ein wenig erscheint es mir, als wäre der Regen wie die Wut, die sich aus dem Himmel entleert. Die Wut darüber, dass ich so lange fern blieb. Ohne mein geliebtes Rad. Eine kostenlose Wäsche kann es nicht sein. Erstens hab ich mir die nicht verdient und zweitens ist mein Canyon sauber. Ich radel los. Es ist früh und die Kölner Straßen leer. Meine Rad-Sonnenbrille tief im Gesicht, obwohl die Sonne gerade ganz weit weg ist. Stattdessen sammeln sich die Wasserperlen vor meinen Augen. Mir ist das egal. Ich kann mich etwas verstecken und in eine andere Welt abtauchen.

Das Rad hat mir gefehlt

Das Ein- und Ausklicken aus dem Pedalen klappt problemlos. Trotz des leichten Regens habe ich keine Beinlinge oder Ärmlinge an. Nur eine Weste. Schon nach wenigen hundert Metern senden meine Hände ‚uns wird kalt‘ an meine Synapsen im Gehirn. Ich ignoriere das, weil es sich gut anfühlt. Frei. Den Radcomputer habe ich auch zuhause gelassen. Keine Werte, keine Geschwindigkeit. Kein Strava. Fast schon romantisch altmodisch und eigentlich wahrscheinlich auch Selbstschutz. So lange wie ich nicht gefahren bin, wären die Werte mit Sicherheit so fatal, dass mein Kopf sofort eigenwillig umdrehen würde, um sich anschließend im Keller zum Weinen einzuschließen.

So weit kommt es nicht. Die Beine machen, gefangen in den Pedalen, wozu sie gebraucht werden. Manchmal konzentriere ich mich bewusst wieder das Gefühl des runden Tritts wiederzuerlangen. In anderen Momenten denke ich an meine Radposition. Rücken gerade. Entspannte Arme. Durch die Achseln die Nase nach hinten entleeren kann ich sogar auch noch. Alles wie immer eigentlich und doch irgendwie auf Anfang.

Einmal Rad immer Rad

Ich fahre meine Hausrunde. Die Straßen sind nass und wie immer etwas Gegenwind stadtauswärts. Heute stört mich das aber nicht. Nach einigen Kilometern bin ich im Rhythmus. Meine Beine pedalieren zum Takt im rechten Ohr. Links höre ich den Wind, das zurren der Kettenglieder und den Leerlauf. Das Gehirn mischt beides zu einem Klang-Orchester zusammen, das ich vermisst habe. In Gleuel überkommt es mich. Ich verspüre einen Drang. Den Drang danach loszulassen und die innerliche Bremse zu lösen. 700m später komme ich erschöpft nach dem kleinen Anstieg im Berrenrath an. Kein Test. Keine jagt nach einer Strava-Zeit. Ich musste es einfach spüren wie sich meine Beine voller Laktat anfühlen.

Dieser ‚Pump‘. Dieses besondere Gefühl in den Beinen. Diese Schwere, wenn man die Beine einmal ganz anders wahrnimmt. 

Ich rolle weiter. Easy. Das Laktat weicht aus meinen Adern. Und just in diesem Augenblick kommt die Sonne raus. Aus dem ‚Tränen der Wut‘ sind ‚Freudentränen‘ geworden. Der Regen weicht. Bis zum Ende der kurzen Radfahrt wird es sonnig bleiben. Die Straßen trocknen und so tun dies die Reifen auch. Auf dem letzten Kilometern kommen Erinnerungen hoch an die Fahrten im letzten Jahr. Gute Erinnerungen.

Radfahren – dieses besondere Gefühl

Ich halte an der letzten Ampel, bevor ich zuhause bin. Wie immer klicke ich mein rechtes Bein aus, setze mich mit der linken Arschbacke auf das Oberrohr und stütze mich mit den Unterarmen auf den Lenker. Der Kopf tanzt zur Musik im rechten Ohr. Als ich nach links gucke, merke ich, wie mich zwei Mädels im Auto beobachtet haben.

Sie lachen. Ich lache mit. Wir lachen gemeinsam!

 

Beweise zum Arbeitsnachweis finden sich in meinen Stories auf Instagram! 😉 

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1 Comment

  • Reply
    Richard Nessl
    20. August 2017 at 13:39

    Rene‘ es wird wieder mal zeit zurück zu kommen ! Mir fehlen die Videos, auf Strava steht auch nichts neues von dir … Aber wenns dir gut tut wie es jz is. Lass es so wie es is =) Lg.

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