Reisen Triathlon

Madmoiselle, Moselle!

Auf zu neuen Ufern.

Stillstand ist Rückschritt.

Always change a winning team.

Ach, was soll‘s. Was interessiert mich das gestrige Göttinger „Geschwätz“, wenn ich Rettich haben kann. Äh, Remich. Bekomme direkt Appetit, wo ja das Kreuzblütengewächs auch noch so gesund ist. Und damit ist nicht Remich gemeint, sondern Rettich. Aber um die aktuelle Verwirrung zu komplettieren, sorgt Remich dafür für ordentlichen Heißhunger danach. Denn die Weltstadt Remich lädt einmal im Jahr zum Ironman 70.3 Luxembourg. Dann sind alle Hotelzimmer bis nach Luxembourg ausgebucht. Alle Weintrauben aufs Feinste aufpoliert. Und nach dem Rennen schunkelt die Triathlon-Welt glücklich betrunken auf feinsten Hild-Moselwein auf „Merci, Chérie.“ von Udo Jürgens.

Der Ironman 70.3 Luxembourg ist so ein bisschen wie, sagen wir, die unbekannte Schönheit der Dorfdisco. Alle wissen und sehen wie schön sie ist, alle sind so neugierig, aber nur wenige trauen sich sie anzusprechen. Stattdessen sahnen häufig die Großmäuler ab wie die geile Brünette namens Kraichgau oder die sexy Blondine aus Rapperswil, die man im Übrigen fast noch schlechter versteht. Und weil ich nach Göttingen auf den Geschmack gekommen bin, was Käffer angeht, die durch eine Triathlon-Veranstaltung doppelt so viele Einwohner haben als normalerweise, jetzt also Remich. Sieht doch eh viel cooler aus, wenn die Stecknadeln auf meiner riesigen Weltkarte im Wohnzimmer an Orten stecken, wo Gäste dauerhaft entweder denken ich hätte eine glatte sechs in Erdkunde gehabt oder sei beim Pinnen betrunken gewesen.

Und weil die ‚unbekannte Schönheit‘ ja nie nur selten angesprochen wird, wenn die Boxen wummen, bin ich zu einer tief gehenden Recherche im Umfeld übergangen. Alle haben sie geschwärmt. Die Mosel sei so zahm wie ein zartes Gesicht nach einem Haut-Peeling, die Radstrecke hätte so tolle Kurven wie es sie sonst nur auf gephotoshopten Fotos in Hochglanz-Magazinen gibt. Und diese Laufstrecke erst mit ihrem treffenden Charme   gepaart mit der Zuverlässigkeit meines Dampfgarers von 21,1km. Also, wegen mir hätte die Laufstrecke ruhig kürzer sein können, aber nun ja. So habe ich wenigstens  ganze 113 Kilometer Zeit mehr über die schöne ‚Moselle‘ herauszufinden.

Bei einer Sache bin ich mir schon jetzt sicher. Mein Herz wird sicherlich höher schlagen. Hoffentlich, gepaart mit guten Beinchen. Aber um mal wieder unromantisch zu werden. Eigentlich nutze ich den Wettkampf nur als Mittel zum Zweck. Ablenkung vor Frankfurt. Okay, ein bisschen Form kann ich auch noch gebrauchen. Der ostdeutsche Motor freut sich mal durchgestartet zu werden. Endlich will der mal die PS auf die Straße bringen, die er hoffentlich hat. Das weiß man ja nie so genau.

Irgendwie hat alles was am 20. Juni passieren wird etwas von einem ‚Blind-Date’. Kennen – nein. Schnuppern – Ja. Anfassen – vielleicht. Nur mit dem Unterschied, dass ich bei dem Date mit ‚Moselle’ selbst nicht weiß, was ich so zu bieten habe. Abstruse Situation und trotzdem super spannend. Ich werde auf jeden Fall versuchen Eindruck zu machen. Egal, wie. Und Remich hat mich schon mal angeflunkert. Es gibt dort nämlich ein veganes Restaurant. So lobe ich mir doch Ausflüge zur unbekannten Nachbarin. A propos ‚beschnuppern’. Ich nächtige am Abend vorher auf der deutschen Seite. Dann kann ich mir alles noch mal mit Sicherheitsabstand angucken. Aus Winscheringen. Und nein, ich schwimme nicht wie der (Johannes) Moldan im vergangen Jahr von der anderen Seite zum Schwimmstart über die Mosel. In Winscheringen reden die übrigens genauso wie der Ort heißt. Und irgendwie schließt sich da ja der Kreis. Denn die Mutter meiner Ex-Freundin kommt daher. War sogar schon mal zum Weinfest da. Geistig nur kurz, körperlich einen Tag. Ich sag Euch, wenn die da eins können, dann saufen. Wahrscheinlich hängt mir meine Ex-Schwiegermutter im Ziel auch noch die Medaille um den Hals. Diese Welt ist einfach zu klein. Oder die Triathlon-Welt einfach zu groß – wie man will. So Geschichten schreibt nur der Sport. Ach so, und Rosi. Ich freue mich, aber bitte vergiss nicht ausreichend Wein mitzubringen. Denn wenn alles schlecht läuft, dann muss ich mir ‚Moselle’ tatsächlich schön saufen oder aber ich brauch Stoff, um ‚Moselle’ endlich anzusprechen.

Foto copyright: Sarah Mikeleitis

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