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MACH DEIN DING

Nach der Saison war für mich lange Zeit auch nach der Saison und nicht vor der nächsten. Wenn der Kopf voll ist, das Leben sich wie in Karussell dreht, ohne dass man nur einen effektiv Meter voran kommt, dann muss Inventur machen. Und zwar im „normalen“ Leben außerhalb der schönsten Nebenbeschäftigung der Welt: dem Sport.

INVENTUR MACHEN

Also, ran an die Inventur. Liste machen, mit all den Dingen, die man nicht mehr braucht. Was habe ich? Was brauche ich überhaupt? Aber nicht nur aufräumen und die unnötigen Dinge irgendwo verstauen, wo gerade Platz ist, damit es gut aussieht. Eine richtige Inventur machen. Das ist die Basis eines Neuanfangs. Und die brauchte ich. Denn wer Lust am Sport haben will, der braucht eine gesunde Mitte. Eine gute Grundlage, um glücklich zu sein. Hört sich tiefgründig an, ist es auch!

Jahrelang war für mich Routine meine verlogene Freiheit.

Hinterfragt habe ich – der ausgebildete Journalist – privat selten etwas. Warum auch? Ich war ja „glücklich“, bis ich gemerkt habe, dass ich andere in meinem Umfeld nicht glücklich machen kann, was an mir lag. Also, habe ich alles in Frage gestellt. Was will i c h eigentlich? Und nicht: Wie gefalle ich Anderen! Ich brauchte Freiheit. Meine Freiheit.

Durchblick verschaffen

Und dafür braucht es Entscheidungskompetenz. Wir glauben jeden Tag, Entscheidungen zu treffen. In Wirklichkeit handeln wir innerhalb viele Zwänge und Routinen aus einem bunten Potpourri an Möglichkeiten, das so groß ist, dass wir häufig den Überblick verlieren. Uns verirren und an Details orientieren. Das alles ist ein Zeichen – so habe ich gelesen – von Zwängen. Ich selbst habe in den letzten Jahren viele Möglichkeiten gehabt und mich dabei im Labyrinth verlaufen. Ein Luxusproblem, das darin endet, nicht vor sich hin zu leben. Das traurige Ergebnis: Entscheidungslosigkeit.

Was viele auch hemmt, ist der eigenen Anspruch. In unsere wohlhabenden Gesellschaft wollen wir immer alles. Gut ist häufig nicht gut genug. Es muss perfekt sein. Auch ich bin einer dieser Perfektionisten. Bevor man nicht das Optimum hat, besser gar nichts machen. Und genau da fängt das Dschungel-Camp an. Experten sagen, man muss sich von den Gedanken verabschieden, optimal entscheiden zu können. Dafür gibt es zu viele Verführungen, zu viele Information. Wir müssen uns fragen, was ist gut genug statt was ist perfekt. Eine Denkweise, die Vielen schwer fällt. Wenn wir aber nicht entscheiden, tun es Andere für uns, oder die Gesellschaft zwängt uns unbewusst einen Weg auf, der für uns gut sein soll. Vielleicht ist er das auch für viele, aber auch für Dich?

Lerne wieder zu entscheiden

Die Inventur ist hart und wird vielleicht auch wichtige Menschen verletzen. So war es bei mir. Aber ich konnte wieder Entscheidungen treffen ohne Zwang. Das hat aber nichts mit Egoismus zu tun. Du kannst andere nicht glücklich machen, wenn du selbst mit dir unzufrieden bist. Eigentlich dachte ich, das nämlich immer zu sein. Wer mich kennt, weiß, dass ich unglaublich positiv bin. Mein Jobwechsel von einer Festanstellung zur Selbständigkeit war der erste Schritt, meine Wünsche zu entdecken, aber im Nachhinein nur ein Zwischenlager. Jetzt fing ich an, alles in Frage zu stellen. ALLES. Ich wollte einen Job nicht einfach mehr machen, weil es so sein muss, auch wenn es gutes Geld, ja vielleicht auch leicht verdientes Geld war. Mir war wichtiger, das zu machen, was mich – und wirklich nur mich – zufrieden stellt. Dafür war ich auch bereit, auf Geld zu verzichten.

Freiheit ist Unordnung

Routine und alte Muster aufzugeben, ist schwer. Selbst, wenn das Selbstbewusstsein von hier bis nach Moskau reicht. Denn Freiheit gefolgt auf Inventur ist auch Unordnung. Aufgeräumtes im eigenen kleinen Chaos wiederzufinden, ist einfach. Zumindest, wenn man Übung darin hat. Weglassen und eine richtige Inventur machen, bedeutet sicher Pfade zu verlassen. Unsicherheit. Das braucht – wie Oliver Kahn sagen würde – “Eier”. Und Vertrauen in die eigenen Stärke. Als ich vor 3 Jahren mit Triathlon angefangen habe, war das für mich wie eine (sportliche) Neugeburt. Eine Neuentdeckung. Neue Kraftentfaltung und Motivation. Dann kam die Ernährungsumstellung hin. Ich bin (fast) Veganer ;o)

Einmal alles anders, bitte.

Jetzt ging es aber um mehr. Um das große Ganze. Ich wollte mir keine kleinen Inseln mehr schaffen, die mich glücklich machen, und drum herum verseuchtes Wasser.

Seit heute bin „homeless“. Die Welt ist mein Zuhause für die nächsten mindestens 4 Monate. Wohnung gekündigt. Keine Festanstellung. Ich mach mein Ding. Und mein Ding ist das Bloggen, das Schreiben, das Produzieren, das Reisen und mein Leben als Sportreporter. Nah dran am Geschehen. Immer mit dabei: mein Radkoffer, meine Triathlon-Sachen. Und meine Passion. Der Wettkampfkalender ist voll. Aber es geht mir mehr denn je um das Erlebnis, nicht um mich. Ich will raus, Euch die Welt des Sports zeigen und mit Euch teilen. Egal was.

Viele halten mich für einen Spinner, der nur Sport im Kopf hat. Stimmt. Und deswegen bin ich ab heute auch der SPORTSPINNER.

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8 Comments

  • Sören
    1. Februar 2016 at 10:52

    “Bevor man nicht das Optimum hat, besser gar nichts machen. Und genau da fängt das Dschungel-Camp an.”

    Un-fucking-believable MADY MY DAY!!!

    • Sportspinner
      1. Februar 2016 at 12:49

      Hehe! Und das an einem Montag! Die Woche kann nur gut werden!

  • Maik der Trainer
    1. Februar 2016 at 18:29

    Du hast echt Eier in den Hosen! Bin sehr gespannt wie es weiter geht.

    • Sportspinner
      2. Februar 2016 at 16:33

      Ach was, Maik. Halb so wild. Zurück geht immer. Nach vorne nur mit Mut! 🙂

  • Christopher Pöpplow
    1. Februar 2016 at 21:11

    Lieber Rene,

    von Sportspinner zu Sportspinner möchte ich Dir ganz herzlich zu diesem Schritt gratulieren! Wir leben leider in einer Welt, in der es immer nur um höher, schneller, weiter geht. Daran gehen immer mehr Menschen kaputt und verlieren sich in Ihren Zwängen. Jeder von uns stellt sich oft vor auszubrechen, doch die wenigsten haben den Mut dazu, aus Angst alles zu verlieren. Man arrangiert sich lieber und beugt sich seinem Schicksal.

    Johan König hat einmal gesagt, man müsste alles mal sprengen und dann erstmal nur eine Wiese wachsen lassen. Du hast den Mut aufgebracht deine Fesseln zu sprengen und startest nun deinen Neuanfang. Davor ziehe ich meinen Hut. Ich freue mich sehr auf deine Berichte, bin gespannt wohin es dich verschlägt und hoffe, dass du auf deiner Reise den Weg zu dir selbst findest und ganz viele Menschen inspirieren kannst. Mich hast du bereits inspiriert.

    Ich wünsche dir alles Gute für deinen neuen Lebensabschnitt und verbleibe mit sportlichen Grüßen. Lass es krachen!

    Christopher

    • Sportspinner
      2. Februar 2016 at 16:34

      Danke, Christohpher für deine netten Worte. Sehe das genauso wie du. 100% agree! Wir geben mal richtig Gas jetzt! 🙂

  • Triathlove
    3. Februar 2016 at 8:55

    Hut ab. Richtig geile “Geschichte”. Leider findet man sich sehr oft in den Sätzen wieder. Vielleicht sollte man in der Tat mal über eine Inventur nachdenken.

    Viel Spass und stay safe!

  • saida
    6. Oktober 2016 at 10:03

    Gelandet bin ich hier durch einen Zufall.
    Seit ein paar Tagen weiß ich, was ein Vlog ist. Gesucht habe ich einen bestimmten Beitrag über den Köln Marathon, gefunden habe ich ein Video, Vlog 85, dass mich morgens um kurz nach 5 sehr zum Lachen gebracht hat. Und wie es in der neugierigen Natur des Menschen liegt, habe ich- wenn auch mit Unterbrechungen 86, 87, und 88 gleich hinterher geschaut. Wer ist dieser charismatische Mensch? Was treibt ihn an, was macht ihn aus?? Und wo bitteschön bleibt das versprochene Video aus Hongkong? Ich dachte, der Finger eines vlogger ruht auf der Flugmodus- Taste; und mit dem Erlischen des Anschnall Zeichen wird das nächste Video hochgeladen?!
    🙂

    Die Sehnsucht nach Veränderung steckt in uns allen. Der eine nutzt den aktuellen Ikea Katalog dazu, der andere läßt den Ansatz mal grau herauswachsen und probiert im Restaurant mal wedges anstelle der Kroketten als Beilage.
    Wie mutig und bewundernswert erscheint es, wenn einer wie du, Rene, die Chuzpe hat, das in die Tat umzusetzen, was in unseren kühnsten Träumen nicht einmal Platz findet?! Job kündigen, Wohnung aufgeben? Hobby zum Beruf machen?

    Brauchen wir diese abgedrosche Parole: lebe deinen Traum?
    Ne, aber das ist es ja auch nicht. Oder?
    Wohl eher: denk mal wieder, hinterfrag dich, er-gründe?
    So abgedroschen das klingt, tatsächlich ist der Weg das Ziel.
    Rene, ich kenne dich überhaupt nicht, dennoch hoffe ich noch viel von dir zu sehen und zu hören. Es gibt Tage im Leben eines jeden, da braucht es Motivation von außen. Vielleicht guck ich mir dann noch mal Vlog 85 an und denke mir dann meinen Teil. In dem Sinne, Grüße aus Bochum

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