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Köln Marathon 2016 | 5 Gründe für meinen Erfolg

Jetzt sind zwei Tage vergangen seit meinem ersten Marathon in Köln. Die Schmerzen erinnern mich in jeder noch so kleinen Bewegung an den Köln Marathon. Aber dieser Schmerz macht mich vollkommen. Anders als nach einem Triathlon-Finish. Besonders. Vielleicht auch, weil es mein erstes Mal war. Und dann auch noch so erfolgreich. Grund genug mal meine

5 Gründe

zu nennen, warum es am Sonntag in der Domstadt so gut lief. 

1. TAPERING

Gemerkt, habe ich es schon Freitag und Samstag in den letzten beiden Einheiten. Die gingen locker von der Hand. Ein Schnitt von 3:55/km fühlte sich nach Racepace an. Ich wollte es erst gar nicht glauben, aber das Rennen hat es ja – auch für mich etwas überraschend – bestätigt. Das gute Gefühl hat nicht nicht getäuscht. Ich wusste, dass es vor allem ein muskulärer Kampf werden würde. Nach Rügen war der Plan voll auf Marathon ausgerichtet. Ich hätte gerne mehr gemacht, aber Björn von Staps – mein Coach – sich für eine Mischung aus Be- und Entlastung entschieden. Mal davon abgesehen, dass auch den Umfang nicht gänzlich erfüllen konnte zeitlich. 😉 Aber Rügen war noch mal ein guter Impact für die Form, auch wenn ich dort mit meiner Laufleistung nicht zufrieden war. Ein weiter Grund warum ich mich gut getapert fühlte, war die Tatsache, dass ich mich leicht fühlte in der Woche vor dem Wettkampf. Nicht fett. Nicht vollgestopft. Einfach fit. Und dennoch etwas unsicher. 

2. WETTKAMPFVERPFLEGUNG

Ich denke, das war im Nachhinein wohl der wichtigste Grund für das erfolgreiche Abschneiden. Häufig vernachlässigt, aber ungemein wichtig. Vor allem gut für den Kopf, wenn man weiß, dass man sich auf die Energie verlassen kann, die oben rein kommt. Wie immer habe ich auf Caroline Rauscher zurückgegriffen. Ich schwöre auf ihre Nahrungsergänzung seitdem ich es das erste Mal testete. Mal davon abgesehen, dass es mir mittlerweile gar nicht mehr auffällt wie viel mehr Energie ich zur Verfügung habe im Vergleich zu Standard-Produkten, weil ich es schon so lange nehme und nichts anderes, vertrage ich es einfach problemlos. Keine Magenprobleme. Keine Angst bei der nächsten Ecke aufs Dixie zu müssen, weil mein Darm jeden Moment zu explodieren droht

Ein Blick auf die Laufkarte offenbarte 11 Verpflegungsstellen. Eine alle 4-5km, also ungefähr alle 16-18 Minuten. Aus meinen Trainings wusste ich, dass ich beim Laufen mit einer Flasche „Hypo“ so knapp 70 Minuten auf hohem Niveau laufen kann. Das sind ziemlich genau 67g Kohlenhydrate. Bei einer erwünschten 😉 Zielzeit von 2:45-2:50h also 3 Flaschen á 600ml. Ich mischte großzügig auf 75g/KH pro Flasche und verteilte die auf 10 kleine Flaschen. Optimale Portionen. Und so ging es auf. Ich fühlte mich keine Sekunde kraft- oder energielos. 

3. MENTALE STÄRKE

In der Vergangenheit war das ja nicht so meine Stärke. Das liegt aber auch daran, dass ich einfach noch nicht viel Erfahrung habe. Im Grund genommen habe ich seit 2013 vielleicht insgesamt 10 Rennen gemacht. Ich glaube es waren mit dem Marathon jetzt 12. Ich konnte mich nie so wirklich quälen. Kann das mit Sicherheit immer noch nicht richtig. Auch dieses Mal habe ich bei KM30 kurz angehalten und alles in Frage gestellt. Aber dieses Mal war mein Wille stärker. Ich wollte mich für die super Leistung bis damals belohnen. Denn ich hatte am Sonntag wirklich einen Sahne-Tag erwischt. Wir sind den Halbmarathon bei 1:21:30h durch gelaufen – also 3:53/km Schnitt. Und Leute: Das war easy. Wir haben uns unterhalten dabei. Das war unglaublich. Und diesen Tag wollte ich mir nicht durch meinen Kopf, durch meinen Teufel auf der einen Schulter, versauen lassen. Thomas Klingenberger, mit dem ich die meiste Zeit zusammen lief, sagte nach dem Rennen zu mir. 

„René, als ich dich bei KM30 hab stehen sehen und du bei KM32 nicht mehr hinter mir warst, war ich mir sicher, dass du mit 3 Stunden ins Ziel kommst und nen 6er Schnitt nach Hause läufst. Das war Mental eine ganz starke Leistung.“

Dieses Gefühl – wie leicht es eigentlich ist – den inneren Schweinhund zu besiegen, habe ich abgespeichert. Und zu gewinnen ist einfach unbeschreiblich befriedigend.

4. THOMAS KLINGENBERGER / EIN STARKER LAUFPARTNER

Das war extrem wichtig für mich. Ja, es war auch andere da, die in meinem Umfeld das Tempo gelaufen sind. Aber ich wusste bei Thomas, das ist ein erfahrener Hase, der mir auch im Zweifel sagt, „René, du läufst zu schnell“. Zwischendurch hat er sich erkundigt wie es mir geht. Und mir ging es gut. Im Vorfeld hatte ich mir noch gewünscht so einen Partner zu finden, der es mir erleichtert einen gleichmässigen Rhythmus zu laufen. Thomas Klingenberger war an diesem Tag wie ein Sechser im Lauf-Lotto. VIELEN DANK NOCH MAL DAFÜR!!!! 

5. DIESE ZUSCHAUER

Man hat das Spaß gemacht. Ich hab mit Kindern am Streckenrand abgeklatscht. Wir haben die Leute animiert. Alle haben gegrinst und wir haben es mit Gleichem gedankt. Das war einfach Spaß pur. Das Lachen gehört an diesem Tag einfach dazu. Diese Stimmung war einfach unbeschreiblich. Wirklich. Das war wie natürliches Doping. Noch nie habe ich so etwas so intensiv auf- und wahr genommen. Es hat befriedigt auch etwas zurückzugeben, obwohl wir Läufer in der deutlich umkomfortableren Situation waren. Egal. An diesem Tag hatte ich das Gefühl, dass ganz Köln einfach nur nen geilen Tag haben will. Und so war es auch!

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7 Comments

  • Marco
    4. Oktober 2016 at 21:25

    Moin Rene. Ich kann Deine Gefühlswelt gut nachempfinden. Hatte ich diesen doch ebenfalls dieses Jahr beim Marathon in Hamburg. Endlich beim vierten mein Potential genutzt und alle negativen Gedanken im Kopf ausblenden können. Und dann Es geschafft zu haben….einfach nur Geil. Ich hatte pipi inne Augen beim Zieleinlauf….jetzt das nächste große Ziel im Auge. Ironman 2018 HAMBURG.

    Hau rein und bis Samstag Abend via Livestream und gemeinsamen Kona schauen.

    Marco

  • Sören
    4. Oktober 2016 at 23:27

    Was ich jetzt nicht verstehe, wenn Du die pace so easy war, warum biste dann bei km30 angehalten und hast alles in Frage gestellt? Erklärt das doch nochmal? So war doch bis dato alles easy going?!
    Bg Sören

  • Nico
    5. Oktober 2016 at 20:36

    Hi Rene,

    herzlichen Glückwunsch zu deiner tollen Leistung!!!
    Ich schaue deine Vlogs so ziemlich jeden Tag. Dem entsprechend bin ich also hier gelandet. 🙂
    Was mich interessieren würde… mit welcher Schrittfrequenz bist du durchschnittlich deinem Marathon gelaufen?
    Wäre super, wenn du mal ein Lauftechnik-Video machst.
    Beste Grüße,
    Nico

    • Sportspinner
      6. Oktober 2016 at 4:03

      Hi. Ich laufe eigentlich immer 180 +/- 3 Schritte! Meine Uhr hat im Marathon 185 angezeigt.

  • Jan
    7. Oktober 2016 at 17:38

    Man liest schon viel “hätte, wenn und aber” von Dir … aber das hier ist ne Nummer! Da ziehe ich den Hut. Absolute Spitzenleistung. Respekt und Glückwunsch.

  • Saida
    11. Oktober 2016 at 19:04

    Hi!
    Jetzt bin ich doch schon wieder durch eine YouTube-Suche auf eines deiner Videos gestoßen. ???
    Leider habe ich nicht die Zeit und Muße mich durch alle Videos durchzuschauen. Aus den FAQ weiß ich, dass du seit 2013 Triathlet bist; aber als Sportwissenschaftler warst du doch schon bestimmt immer seeeehr aktiv, oder? Du bist dich nicht eines Tages vor 3 Jahren aufgewacht und hast dir gedacht: “so, Schwimmen, Radfahren, Laufen – ich nehme die Herausforderung an!”. ….oder?
    Ich hab ein Video gesehen, mit minimalem Infowert bezüglich der wattmessung mit stryd und viel zu vielen Details zu deiner Verdauung. Ist das ne Neurose bei euch Sportlern ?????

    Ich gehe jetzt schlafen und vielleicht Wache ich ja morgen auch auf und denke mir: morgen wirste Triathlet ?

    (Nichts für ungut; alles nur Neid: ich kann nicht kraulen, Radfahren niemals in der Intensität und nen Halbmarathon wurde ich in niemals in weniger als 2,5h schaffen)

  • Eve
    21. Oktober 2016 at 5:41

    Oh cooler Blog, wir ähneln uns sehr, nur dass ich meinen ersten Marathon dieses Jahr nicht so easy peasy laufen konnte wie du. Ein Marathon ist doch eine ganz andere Hausnummer.
    Beim Triathlon liebe ich die Abwechslung. Die ist beim Marathon nicht gegeben. Aber die Zuschauer sind wirklich immer die beste Motivation. Wenn die Stimmung stimmt, ist die ganze Sache viel geiler.
    Liebe Grüße
    Eve

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