Sport

Viellehner, Scarponi und Hayden tot | Ist Radfahren zu gefährlich?

RIP – Julia Viellehner.

Sollte der Titel zuerst halten. So tragisch und berührend der Tot ist, so wenig kannte ich sie. Aber in diesem Momenten fühlt man sich auf einmal so nah. Die Armhaare stellen sich auf. Man bekommt Gänsehaut, bevor man gehemmt da sitzt und sich hunderte von mitfühlenden Kommentaren durchliest. Viele kannten sie persönlich. Sie war kein sportlicher Super-Star, aber ein Menschlicher. Das sagen alle, die sie kannten. Leider konnte ich sie nie kennenlernen.

Mich macht dieser Tot nachdenklich. Erneut. Die Häufigkeit dieser Vorfälle mit tödlichem Ausgang ist erschreckend. Auch weil viele bekannte Namen unter ihnen sind wie der Rad-Profi Michele Scarporni oder MotoGP-Weltmeister Nicky Hayden. Alle auf dem Rad erfasst und ausgelöscht. Das Leben kann so unfair sein. Grausam. Rücksichtslos. Und das so plötzlich ohne Vorwarnung.

VIELLEHNER, SCARPONI, HAYDEN – WAS MUSS NOCH ALLES PASSIEREN?

Wir gehen so einem tollen Sport nach und lieben die Freiheit auf dem Rad. Die Natur als Antrieb, um schwer atmend mit Schweißperlen an den Augenbrauen hängend dem nächsten Berg hochzujagen oder einen neuen Strava-Rekord aufzustellen bis uns der Schweiß ins Auge tropft. Dieses Gefühl mit dem Fahrwind im Gesicht und dem Knattern des Laufrades im Leerlauf ist wie eine Droge.

Nicht mehr für Julia Viellehner und die anderen Verstorbenen. Mein Beileid.

Ich selbst war es, der (zurecht) vor Monaten kräftig Luft abgelassen hat, weil ich selbst fast unter dem Auto gelandet wäre. Ich war es satt immer und immer wieder als Opfer durch den Straßenverkehr zu strampeln mit gestressten Autofahrern hinter dem Steuer, denen oft gar nicht bewusst ist, dass es hier schneller, als sie denken können, Tote gibt.

„Von ‚Entschuldigung‘ werde ich nicht wieder lebendig“.

Das habe ich schon so oft zu Autofahrern sagen müssen. Und oft genug erntete ich dafür nur Aggressivität und Ignoranz. Dass es auf der Straße um Menschenleben geht, die einem Hobby oder einem Beruf nachgehen wird dabei oft vergessen. Zu oft ist der Radfahrer machtlos. Ich fahr ja auch nicht rücksichtslos mit dem Golfcart durch ein Wohnzimmer, während andere Freeletics machen oder Schach spielen.

EIN UMDENKEN MUSS STATTFINDEN

Meinen Artikel von damals würde ich dennoch heute nicht mehr so schreiben, auch wenn da sehr viel Wahres drin steht. Aber Recht und Unrecht zählt eben nicht mehr, wenn du Tot bist. Viel bin ich in den letzten Monaten Auto gefahren. Fast jeden morgen über die Luxemburgerstraße in Köln. Und auch, wenn dort kein Radverbot gilt, so habe ich mich jeden Tag aufs Neue gefragt, warum macht man das als Radfahrer? Warum tut man sich das an auf einer zwei-spurigen Straße mit so viel Verkehr, besonders morgens und abends zu fahren?

Zum Teil sehe ich Mütter mit Cargo-Fährrädern und Kindern vorne drin fast im Schritttempo zur Rush-Hour auf der Straße. Warum? Keinem Verkehrsteilnehmer ist damit geholfen. Und wenn du als Autofahrer an ihnen mit mindestens 1,5m Abstand vorbei fährst, schlängeln sie sich an der nächsten roten Ampel wieder vor dich und das ganze Spiel beginnt wieder von vorne, wenn der Radfahrer nicht eh über ‚Rot‘ gefahren ist, was in 50% der Fälle passiert. Extrem gefährlich, wohlwissend, dass ich oft nicht besser war.

Was ich damit sagen will:

Für mich ist jetzt um so mehr klar, dass ich umdenken muss. Für mich persönlich. Meine Ausfahrten. Meine Gesundheit. Für mein Leben. Keine Diskussion mehr mit Autofahrern. Stattdessen mehr miteinander. Dafür muss das Thema aber deutlich präsenter sein und die Problematik zwischen Rad- und Autofahrern offensiver angegangen werden. Radwege helfen da nicht alleine. Und eine hitzige Diskussion zwischen Auto- und Radfahrer auch nicht. Wir wollen nicht ausgegrenzt werden, damit ein Miteinander funktioniert. Und eine GoPro am Fahrrad, die dauerhaft läuft, kann auch nicht die Lösung sein. Zumal sie nicht hilft, wenn der Zusammenprall in der Vergangenheit liegt. Das ist ein Verkehrspolitisches Thema, dass auf viel höherer Ebene stattfinden muss.

Aber vor allem müssen wir zu unserem eigenen Schutz mehr denn je bei uns anfangen und uns einfach des Risikos bewusster sein. Auch wenn das, wie in den tödlichen Beispielen von Viellehner, Hayden oder Scarponi, leider auch nicht immer ausreichend ist.

DIE VORGESCHICHTE: HIER GEHT’S ZUM ARTIKEL VON DAMALS.

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1 Comment

  • Florian
    24. Mai 2017 at 10:31

    Toller und emotionaler Blogpost! Ich hoffe dass nicht nur die Radfahrer deine Worte lesen!

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