Lifestyle Reisen

Meine neue (alte) Homebase

Die Sonne spiegelt sich auf dem Triebwerk des Airbus A318. Kein Wolke weit und breit. Meine Knie schrubbeln am Vordersitz. Würden Sie das noch 10 weitere Jahre tun, wäre ich kniefrei. Mal wieder bin ich im Flugzeug. Next Stop: Paris. Jaja. Genau.

Die Stadt der Liebe, wo man selbst mit Englisch nicht weit kommt. Meinen Ohren bleibt der Lärm der Düsentriebwerke erspart. Stattdessen beschallen meine Bose-Kopfhörer meine – wie ich immer wieder höre – winzigen „Öhrchen“. Ich weiß nicht warum, aber über den Wolken oder an Flughäfen verspüre ich immer besondere Lust zu schreiben. Dazu dann noch der Sone „Pure“ von David Keller und die Melancholie ist perfekt. Von hier oben lässt sich immer so schön auf die Welt gucken. Obwohl man rast, hat man das Gefühl die Welt steht für einen Augenblick. Vielleicht ist es auch nur diese gefühlte Freiheit, und das obwohl man gefangen ist im ovalen Körper mit hundert anderen Passagieren. Der Kopf aber, zumindest meiner, fühlt sich dann frei. Und meine Finger wollen tippen. Einfach drauf los. Ohne Ziel. Was sonst grundsätzlich im Leben nicht unbedingt das Credo sein sollte. Am Münchner Airport habe ich schnell noch die Business Punk gekauft und die Wired. Obwohl ich lesen hasse. Auch das ein Grund, warum immer mal wieder Rechtschreibfehler in meinen Texten auftauchen, weil ich Korrekturlesen ja auch Lesen ist. Aber ich will mich hier nicht rechtfertigen.

“Zumindest aber schaffen es die beiden Zeitschriften mich immer wieder zu inspirieren. Und – viel wichtiger – an mich zu glauben und meinem Gefühl zu vertrauen. An das, was ich ja eigentlich vorhabe.”

8 Tage war ich jetzt in München. Die wohl schönste Stadt Deutschlands, welche ich mal mein „Home“ nennen durfte. 4 Jahre lang. Es war eine tolle Zeit und auch jetzt habe ich es wieder genossen, wie mein Patenkind das Schütteln einer Schneekugel. München hat etwas Besonders. Vor allem schöne Menschen, tolle Gebäude und eine tolle Landschaft drumherum. Aber München ist nicht mein Zuhause. Mein Herz will hier nicht bleiben. Zumindest noch nicht. Wahrscheinlich nie. Ich habe mir ja vorgenommen weniger zu Verallgemeinern, aber eins ist so klar wie die Tatsache, dass das Flugzeug, egal wie, irgendwann landen wird:

Münchner sind zu ernst.

Die 26 Muskeln im Gesicht werden viel zu oft benutzt. Meiner Erfahrung nach sogar oft bis zur Erschöpfung. Ein Lachen erhascht man auf der Hohenzollernstraße im High-Society-Stadtteil Schwabing so oft, wie Bastian Schweinsteiger im Glockenback. Mal davon abgesehen, dass der ja bekanntlich nicht mehr da wohnt. Er wird seine Gründe gehabt haben. In Köln ist das ganz anders. Da bekommt man mit guter Laune – wahrscheinlich braucht es die noch nicht mal, obwohl dringendst empfehlen – ein Lachen zurück. Oder sogar ein Gespräch. Ein kurzen, kölschen Smalltalk ohne Kölsch. Manchmal auch mit. Um so besser.

In München wird das Schaufenster lieber als übergroßer Spiegel benutzt, um sich zu vergewissern, dass die Frisur seit dem letzten Schaufenster 15 Meter zuvor immer noch sitzt. Ah ja. Und, um auf keinen Fall lachen zu müssen, falls mal jemand anderes gute Laune hat. Deswegen ist München nicht mein Zuhause, weil ich nicht München bin. Ich brauche Kommunikation und noch wichtiger, Menschen denen ich Lebensfreude ansehe, damit ich mich auch wohl fühle. Und damit ich wirklich ich sein kann.

Man braucht eine Homebase

Viel habe ich geschrieben, über „sich selbst glücklich machen“ und seinen Weg gehen, wenn man den Mut dazu aufbringen kann. Zu wissen, was man ist und wo man hingehört ist ein weiterer Schritt hin zum glücklich sein. Vielleicht sprudelt es auch immer über den Wolken aus mir raus, weil ich das Reisen, dieses Unabhängige liebe. Eins habe ich aber in den letzten 3 Monaten gelernt: Ich brauche eine Home-Base! Etwas, dass ich Zuhause nennen kann.

Erstens hilft, dass dabei nicht allen erklären zu müssen, warum mein kein Zuhause hat!

Zweitens, gibt es mir Sicherheit. Es ist mein Anker. Apropos – Wechsel ich doch mal das Lied. „Mein Anker“ von Julian le Play.

Erst häuslicher Rest, dann Mind-Rest

Keine Wohnung zu haben hat mich befreit. Vor allem auch Geld gespart. Es hat mir die Möglichkeit gegeben Unabhängigkeit wirklich als solche zu erleben. Es war cool. Vor allem hat es mich dazu gezwungen mal Auszumisten. Alles Unnötige loszuwerden. Ballast abzuwerfen. Einen häuslichen Reset zu machen, um dadurch einen Mind-Reset folgen zu lassen. Gut, der ist noch nicht abgeschlossen, aber in progress. Wenn ich am Sonntag in Düsseldorf lande und dann in Köln ankomme, werde ich wieder ein Zuhause haben. Eine Wohnung.

“Wie oft ich die nutze? Keine Ahnung. Was ich da reinstelle? Mal sehen.”

Was ich aber weiß, dass ist die Tatsache, dass die Wohnung einer meiner besten Freundinnen gehört. Als wir noch zusammen waren, vor gefühlt zwei Leben, haben wir dort zusammen gewohnt. Jetzt kehre ich zurück. Physisch zwar alleine, aber niemals einsam im Kopf. Bei allen neuen Wegen, die man geht und allem Unbekannten, dass einem widerfährt, ist es doch schön zu sehen, dass eines immer bleibt:

Freundschaften und Erinnerungen.

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