Triathlon

DNF is an Option!

Es ist Freitag. Die Sonne geht auf in Fuschl am See. Entspannt mit beiden Beinen übereinander geschlagen liege ich noch im Bett beim Mohrenwirt. Es ist der erste Tag seit dem Ironman Frankfurt, an dem es mir wieder gut geht. Kurz hatte ich eben überlegt, soweit meine grauen Zellen schon wieder in Schwung sind, welch kreativen Mist ich heute wieder so in die Tasten kloppe, um mich dann fürs einfach drauf los Schreiben zu entscheiden. Wobei es gerade hier schon wieder stockt. Wo soll ich anfangen, wenn ich zurückdenke, an den vergangenen Sonntag?

DNF steht da auf der Ironman-Seite hinter meinen Namen. Aufgehört. Aufgegeben. Kein Finish beim ersten Ironman. Aber keine Sekunde habe ich meine Entscheidung seitdem in Frage gestellt. Den Entschluss nach einem Kilometer auf der Laufstrecke stehen zu bleiben, würde ich genau wieder so treffen. Klar, habe ich mich auf meinen großen Traum lange vorbereitet. Viel investiert. Aber doch nicht nur für diesen einen Tag. Nicht um meine Gesundheit aufs Spiel zu setzen. Rein sportlich lief bis dahin alles top. Nicht so wie erwartet, aber bei der Hitze, muss man einfach mal die Geschwindigkeit was anpassen. Also es war nicht so als wäre ich da „blau“ in der Wechselzone 2 angekommen. Im Gegenteil. Sicher, die zweite Radrunde mit den 100 heißen Föns ins Gesicht war nicht gerade easy, aber so ist das halt. Für mich war aufgegeben nie ein Thema. Ein war ein unfassbares Erlebnis. Alles. Der Start am Langener Waldsee mit der Nationalhymne. Der Landgang mit den Fans, die halb im Wasser stehen. Das Durchfahren jeder Ortschaft mit dem Rad zauberte mein Lächeln ins Gesicht. Und „Mann“ war das ein geiles Gefühl endlich mal das Rad abgenommen zu bekommen und es nicht selbst irgendwo parken zu müssen.

Aber Leute, an dem Tag war es einfach zu heiß für mich. Als ich da am Mainufer nur in der prallen Sonne lief, war mir sofort klar: Das konnte ich nicht durchstehen. Nicht beim Debüt. Nicht bei den Temperaturen. Und ich bin wirklich keiner, der schnell aufgibt. Und eigentlich auch niemand der in solchen Situationen zur Vernunft neigt. Aber da war es angebracht. Rechts raus. Stehen geblieben. Overall runter. Nach meiner Entscheidung war ich trotzdem glücklich. Auch wenn ich kein Finisher-Shirt habe oder den geschenkten Ironman-Rucksack nicht tragen möchte, einfach aus Respekt den Triathleten gegenüber, die es geschafft haben. Einfach, Wahnsinn! Meinen Ausstieg will ich hier nicht schön Reden oder rechtfertigen. Aufgeben sollte nicht zum Standard-Repertoire eines Triathleten gehören. Aber zur richtigen Zeit, sollte einem dieses „DNF is no option“-Gelaber wirklich egal sein. Was ein Schwachsinn. Und dabei geht’s hier gar nicht um mich. Sondern, um eine grundsätzliche Sache. Triathlon ist der geilste Sport der Welt – sag ich jetzt mal so. Aber die Gesundheit ist doch die Basis dafür, dass man überhaupt an die Startlinie gehen kann. Und das sogar bis ins hohe Alter. Aber eben nur, wenn man heile aus so einer Nummer rauskommt. Wir alle haben diese Woche die traurige Nachricht mitbekommen, was alles passieren kann. Wirklich erschreckend. Es hat mir die Augen geöffnet wie extrem unser Sport ist. Und auf welch schmalen Grad wir uns befinden. Vor allem wir Age-Grouper, die nicht so austrainiert sind, nicht das Wissen und die professionellen Strukturen haben wie die Profis. „Immer höher. Immer schneller. Immer weiter. Und irgendwann egal wie hoffentlich Hawaii!“ Wer dieses Motto nach wie vor verfolgt, der sollte diesen Ansatz spätestens jetzt überdenken und sich Fragen was einem mehr Wert ist. Ein Finish oder das Leben.

Foto copyright: Sarah Mikeleitis

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