Allgemein Triathlon

Das Wiesbadener Weichei

Wenn „Battle“ drauf steht, aber am Ende des Rennens nicht wirklich einer drin war, René aber trotzdem Spaß hatte. Eigentlich wollte ich dem Wolfgarten den Arsch versohlen, während ich auf der Laufstrecke an ihm vorbeifliege. Daraus wurde nix. Dass ich nicht nur beim Schwimmen 5 Minuten verlieren würde, sondern, wenn es schlecht läuft auch auf dem Rad, davon hatte ich in meinem Alptraum schon geträumt. So kam es dann auch und noch schlimmer.

Rein sportlich gesehen zumindest. Denn sonst hatte ich ne Menge Spaß. Okay, nicht gerade auf der Radstrecke. Die kannte ich nämlich nicht, was von Vorteil gewesen wäre. Weil reine Zahlen wie 1440 Höhenmeter, die glaube ich in Wirklichkeit 1500 sind (ja, in dem Fall sind 60 Meter viel und mindestens 150 zu viel), hören sich bei weitem nicht so hart an, auch den schlimmsten Vorstellungen, wie in Realität auf der Strecke. Was vor allem daran lag, dass der Straßenbelag teilweise so löchrig war, dass ich lieber auf einem schweizer Käse gefahren wäre. Und das sage ich als Veganer. Hinzu kommen noch Kurven die so kurvig und scharf waren, dass selbst Karlie Kloss im 360 Grad Anblick daneben unscharf langweilig aussieht. Und dann rief jemand bei Kilomenter 60 auch noch „Auf geht’s René, 10 Minuten Rückstand auf Jan.“ Na danke auch. Genau, das wollte ich da hören – NICHT. Ich weiß nicht, wo meine Radbeine an diesem Tag waren, auf jeden Fall nicht im näheren Umkreis von Wiesbaden. Wie sehr ich mir einen Motor im Fahrrad gewünscht hätte, fiel mir ein, als ein Kampfrichter neben mich fuhr und sich folgendes Szenario abspielte.“

 

Kampfrichter: „Was haben Sie da vorne dran?“

Ich: „Was? Das hier? Das ist mein Radcomputer. Wieso?“

Kampfrichter: „Darf ich das mal fotografieren?“

Ich: (genervt) „Warum? Soll dafür vielleicht noch anhalten?“

Kampfrichter: „Nein. Das mache ich so.“

Ich: (noch genervter) „Dass sie in ihrer Funktion keinen SRM PC8 kennen, spricht nicht gerade für sie.“

Kampfrichter: „An ihrer Stelle wäre ich lieber ruhig, sonst zeige ich die rote Karte wegen Beleidung.“

 

Da schleiche ich schon rund um Wiesbaden rum, und dann noch sowas. Einige Kilometer die Platte hoch auf dem Rückweg, konnte ich darüber nur noch schmunzeln. Das Laufen können wir eigentlich kurz machen, obwohl es viel zu lang war. Zeitlich gesehen! 1:40 Minuten für einen Halbmarathon laufe ich noch nicht mal GA1 im Training. Aber gut, da halte ich auch nicht an jeder Imbissbude, in dem Fall Verpflegungsstelle, und schaue in den Regalen schlendernd was es alles so gibt, um alles zu probieren. Leider gab es in diesem Fall keinen Alkohol und keine Weingummis. Obwohl ich mehrmals aufdringlich danach gefragt habe. Eine bodenlose Frechheit. Dafür wurde mir angeboten bis zur nächsten Runde eine Pizza zu bestellen. Diese habe ich weder gesehen, noch gegessen. Ein Skandal. Dafür haben wir eine Menge gelacht. Ich hab sogar mal die Rolle getauscht und beim netten Plausch die anderen Athleten angefeuert. Auch mal ganz nett. Also, ich hatte ne Menge Spaß. Glücklicherweise hat mich Jan nicht gedemütigt und überrundet. Wenigstens etwas. Das Jan mit meilenweitem Vorsprung den Battle gewonnen hat, versteht sich von selbst. Allergrößte Hochachtung dafür, Schwimm-Coach. Natürlich. Aber damit hat es sich dann auch, lieber Jan. Zieh mich damit auf. Gerne. Feier dich dafür. Zu Recht. Aber der Wettkampf hat mir sehr geholfen besser zu werden. Auch an „schlechten“ Tagen zu kämpfen. Weiter zu machen. Zu finishen. Die ganzen Anfeuerungsrufe aufzusaugen und auch den Anderen, die an mich glauben, etwas zurückzugeben. Und davon gab es in Wiesbaden überraschenderweise viele, was mich echt gefreut hat. Jetzt aber zu meiner eigentlichen Überschrift „die komplexe Einfachheit“. So komplex und vielfältig dieser Sport ist. So unberechenbar und hart Triathlon immer sein wird. Eins ist mir jetzt klar geworden. Über Sieg oder Niederlage entscheidet am Ende nur der Kopf. Und der hat bei mir an diesem Tag das Wort „Battle“ völlig fehlinterpretiert. Ohne die richtige Einstellung – keine Leistung. So einfach ist das. Und das werde ich ab jetzt ändern. Wie hat Nelson, meine bessere „Beasters“-Hälfte vor ein paar Tagen gesagt: 

„René du musst einen „Killerinstinkt“ entwickeln. Wenn die Zielzeit nicht erreicht wird, darf das nicht demotivieren, sondern anspornen: „Ok mir fehlen vielleicht 3 Minuten, aber ich laufe die Bande eh in Grund und Boden.“ 

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